Dieser eigentlich legendäre Vollverstärker ist gleichzeitig auch berüchtigt - das und manches andere war dem Amp-Master aber bislang nicht bekannt.

Die Reparatur einer der  beiden Endstufen war schnell erledigt - es wurden nur zwei defekte Dioden gefunden. Außerdem sollten die Leistungstransistoren durch die originalen Typen von Sanken ersetzt werden.

Beim abschließenden Funktionstest wurde das Kabel vom Funktionsgenerator am MM-Eingang umgesteckt, woraufhin die zuvor reparierte Endstufe in Brand geriet - ohne das eine Last angeschlossen war. Konkret hatten drei alte Styroflex-Kondensatoren gebrannt, die Kennern als "black flag" bekannt sind. Viele Bauteile und auch die neuen Sanken-Transistoren waren hin. Sehr wahrscheinlich geriet die Endstufe aufgrund der sicher bereits zuvor defekten "black flags" ins Schwingen. Okay, Lehrgeld bezahlt und alles wieder repariert.

Fertig? Nein, der Hörtest zeigte ein sehr unschönes Brummen, was das Oszilloskop auch bestätigte. Zwar hatte das Störgeräusch nur einen geringen Pegel, aber eine von 100Hz modulierte Hochfrequenz klingt recht durchdringend.

Die Ursache war schnell auf den Flat-Amp eingegrenzt. Das Störgeräusch war immer bei Volume-Regler am Linksanschlag und in beiden Kanälen vorhanden - auch bei gedrückter Jump-Taste (Bypass). Defekte Bauteile waren nicht festzustellen und der erste Verdacht war Masseschleife oder eine schlechte Masseverbindung. Eine zusätzliche Erschwernis/Erkenntnis war, dass die Cinch-Buchsen kurzgeschlossen sind, wenn kein Stecker steckt - man lernt eben nie aus.

Die Netz-Recherche brachte dann weitere Aspekte ins Spiel  - v. a. seitens der Kollegen von der freien Ton- und Bildwerkstatt.

Zunächst wurde also eine HF-Entkopplung beim Flat-Amp, ähnlich der, die Sansui bereits beim MM/MC-Amp realisiert hat, eingebaut. Allerdings kann man nicht sicher sein, ob der eigene AU-X1 so hergestellt wurde, wie ein anderer AU-X1. Sansui hatte offenbar diverse Modifikationen im Laufe der Zeit in die Produktion einfließen lassen, um u. a. das beschriebene Problem zu vermeiden.

Die HF-Entkopplung brachte leider nur mäßigen Erfolg. Das Störgeräusch war im Pegel geringer, trat mit Flat-Amp nur noch rechts auf, aber im Bypass-Modus war der Pegel nun höher und das in beiden Kanälen.

Positiv war aber, dass der Störpegel, mit Flat-Amp, im rechten Kanal kontinuierlich innerhalb einer Minute gegen Null gesunken ist.

Als gründlicher Techniker kann man damit aber nicht zufrieden sein. Der nächste Verdacht betraf dann die Gegenkopplungsschleife, weil diese idR sehr sensibel gegenüber ungünstigem Platinenlayout und kapazitiver Einkopplung reagiert.

Und hier war der Hund begraben. Der Flat-Amp hatte eine Modifikation erhalten, die vermutlich von Sansui selbst stammt - zumindest sieht man sie immer wieder bei anderen AU-X1 im Netz. Meiner hat je einen 220kΩ-Widerstand an den Basen von TR11/TR13 nach Masse und einen 6,8pF-Kondensator von Basis TR11 nach Gate FET01 - Gegenkopplungsseite.

Nach diversen Änderungsmaßnahmen im Gegenkopplungsnetzwerk kommen wir nun zur Störungsursache. Nach Beseitigung des 6,8pF-Kondensators war der Spuk vorbei.

Kein Brummen mehr direkt nach Einschalten oder später, bei Links- oder Rechtsanschlag des Volume-Potis, ob mit Flat-Amp oder Bypass - der AU-X1 zeigt nun wieder, warum er legendär ist - aber eben auch berüchtigt.