Es lohnt sich, ein paar Worte zu diesem Ausnahme-Entzerrer zu verlieren. Dieser wurde im defekten Zustand angekauft.

Zunächst war es sehr erfreulich, dass sämtliche Halbleiter, die man nicht mehr beschaffen kann, intakt sind. Überraschend gut waren auch die meisten Elkos von Elna, die immer noch ihre Soll-Kapazität und -Rs besitzen - und auch bemerkenswert, dass Elkos anderer Hersteller schon nach 20 Jahren richtig defekt sein können.

Sorgenkinder sind wie immer Relais- und Schalterkontakte. Nach Öffnen und Reinigen war das Thema erledigt. Nur zwei versiegelte Omron-Relais konnten nicht behandelt werden, aber deren Kontaktwiderstände waren mit 20 bis 30 mΩ auch noch sehr gut.

Die Potis wurden ebenfalls geöffnet, gereinigt und mit Kontaktfett am Schleifer behandelt. V. a. das Balancepoti ist sehr hochwertig und sinnvoll, um Kanalungleichheiten der Tonabnehmer auszugleichen - es hat Abstufungen in 0,5-dB-Schritten.

Für die zweipolige Kaltgerätebuchse fand sich kein passender Stecker, so dass eine dreipolige Buchse eingebaut wurde - mit der Option das Gerät per Schalter zu erden.

Die Lötstellen der Platinen sind, ähnlich wie bei alten Kenwood-Geräten, oftmals sehr schlecht. Das heißt, dass das Kupfer nach Absaugen des Lötzinns matt aussieht und so, als wenn nie Lötzinn dran gewesen wäre. Es lohnt sich also, sämtliche Lötpunkte zu erneuern. Auffällig v. a. bei den Lötstiften der Relaistreiberplatine an der Rückwand.

Die Trimmer wurden generell erneuert, wobei Spindeltrimmer für die Offset-Justage sinnvoll sind.

Defekte Kleinleistungstransistoren waren reichlich vorhanden, auch vier falsch herum eingesetzte! und zwei fehlten sogar.

Eine weitere Fehlerquelle sind die Folienkondensatoren, die zum Teil Durchgang in der Größenordnung 20Ω hatten!

Bei der Spannungsstabilisierung ist auf den Id der FET's zu achten, sonst funktioniert die Schaltung nicht. Die Brummspannungen ohne Last liegen bei guten 0,3mV, mit Last sind es 4mV je Spannungsabgriff.

Wegen Class-A-Verstärkung werden die Kühlkörper der Entzerrerplatinen so heiß, dass Berühren nur 2s lang möglich ist. Daher wurde der Querstrom soweit reduziert, dass es immer noch sehr warm, aber nicht mehr heiß wird. Nun werden noch ca. 7W je Entzerrerendstufe verbraten. Klanglich und messtechnisch macht sich die Änderung nicht bemerkbar.

Die Entzerrung wurde vom Hersteller sehr genau ausgelegt und entspricht innerhalb +/-1dB der RIAA-Vorgabe.

Nachdem alles soweit erledigt war, folgte der spannende Hörtest. Auffällig, dass das Rauschen bei MC-Betrieb kaum wahrnehmbar ist. Brummen ist ebenfalls kein Thema. Hier würde man bei einer 40 Jahre alten Konstruktion sicher großzügig über Nebengeräusche hinweghören, aber man darf tatsächlich heutige Maßstäbe anlegen! Ansonsten große Bühne, fein ziselierter Hochton und ein knurriger Bass - mit Benz Glider an 300Ω gehört.

Eine Schwäche hat das Gerät allerdings doch noch. Die an der Front umschaltbaren Widerstandswerte wirken nur am MM-Eingang, der MC-Amp ist fix mit 100Ω belegt. Praxisgerechter wären umschaltbare Kapazitäten. Daher empfiehlt Amp-Master die Widerstände durch für MM-Systeme geeignete Kapazitäten zu ersetzen.

Nicht so komfortabel aber klanglich/technisch besser ist eine Lösung mit umsteckbaren Widerständen/Kondensatoren direkt auf den Platinen.

Schade ist auch, dass die XLR-Buchsen einen symmetrischen Ausgang suggerieren, diese aber nur asymmetrisch beschaltet sind. Amp-Master hat es trotz großer Enge geschafft, zwei Ausgangsübertrager von Lundahl unterzubringen. Nun kann eine Endstufe auch symmetrisch über eine lange Leitung direkt angesteuert werden.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, einen Kopfhörer per Adapter an die Cinch & XLR-Buchsen anzuschließen, weil die Ausgangsstufe - nach Überbrückung der 180Ω-Widerstände - ideal dafür geeignet ist.

Insgesamt übertrifft der C-220 mit Sicherheit auch heutige Top-Entzerrer oder kann zumindest locker mithalten.

 

Hinweis für Techniker:

Sollte das Phänomen auftauchen, dass über Eingang 1 Störgeräusche zu hören sind, aber über Eingang 2 nicht, so liegt dass am Relaistreiber für Relais 1. Die "verschmutzte" Spannung an Anode von D1, bzw. deren Oberwellen, werden von der Relaisspule wie bei einer Antenne an die Relaiskontakte "gesendet" und gelangen somit auf den MC- bzw. MM-Eingang.