Wer die Podszus/Görlich-Chassis kennengelernt hat, wird vermutlich ziemlich begeistert und gleichzeitig irritiert sein. Begeistert wegen der Elektrostaten ähnlichen Neutralität und irritiert wenn man erfährt, dass diese besondere Membran in den 30er Jahren patentiert wurde.

Das haben natürlich auch die Profis bemerkt und so hat Klein & Hummel diese Chassis in seine Abhörmonitore O92 eingesetzt.

Das liegt lange zurück, aber auch heute können diese Schallwandler sehr überzeugen.

Daher lohnt es sich, entsprechend Zeit und Aufwand zur Restauration zu investieren. Amp-Master hat bei zwei Paaren folgendes getan:

 

Austausch:

  • XLR-Eingang - female- statt male-Version
  • ggf. Anpassen der Eingangsimpedanz - hängt von der Vorstufe ab
  • halbdurchlässige Gitterrückwand des MT/HT-Gehäuses statt Holzrückwand
  • MKS- statt Tantal-Koppelkondensatoren
  • Glättungs-Elkos von F&T
  • Präzisionsfassungen statt einfache OpAmp-Fassungen
  • NE5534/5532 (klingen besser, als der Preis vermuten lässt) statt originale OpAmp's
  • rauscharme Kleinsignal-Transistorentypen 2SA970/BC560 statt originale Typen
  • selektierte 2N3055 statt BD317 (große Streuung)
  • induktionsarme Emitter-Widerstände
  • Trimmer der 3-Wege-Pegelregelung
  • Peerless XT25SC90 als Hochtöner
  • eLaRe statt Relais!

Nachrüsten:

  • Entkoppel-Kondensatoren für alle OpAmp's
  • Drehschalter für Ortsanpassung (statt Steckkarten)
  • Pegelsteller als 12-Stufen-Poti von Elma
  • Staubfilter für Magnetpolbohrungen (wg. Glasfaserwolle)
  • Mitteltongehäuse mit Filz auskleiden und Polyester- statt Glasfaserwolle
  • Front mit Filz belegen (wenn Gitter entfernt wurde)
  • Erhöhen des Leiterquerschnitts auf der Netzteil- und Schutzschaltungsplatine
  • untere Befestigungsmutter für Ständer mit Schraube fixiert (kann sonst mitschwingen)

Prüfen:

  • Messen und Paaren der Endtransistoren
  • verbleibende Tantal-Elkos überprüfen
  • Überprüfung der Chassis - Tieftöner ggf. um 180 Grad gedreht montieren
  • „Klaviertest“ (Resonanzen, Klirr und Nebengeräusche ausschließen)

Reinigung/Optik:

  • Relaiskontakte; ggf. Austausch der Relais (falls nicht durch eLaRe ersetzt)
  • alle Kontakte und Sicherungshalter
  • Gehäuse abbeizen
  • Gehäuseschäden ausbessern (richten, leimen, spachteln)
  • Gehäuse lackieren
  • ggf. Frontgitter richten oder entfernen und ersetzen
  • Chassis-Membranen

Einstellungen:

  • Netztrafo auf 230V umstellen
  • Einstellen der stabilisierten Versorgungsspannung auf +/-16V
  • ggf. Netztrafo neu befestigen bei mechanischem Brummen
  • ggf. Membran des Hochtöners zentrieren (falls nicht durch andere ersetzt)
  • Justage der Offsetspannungen
  • Justage der Ruheströme
  • Abgleich der Übertragungskurve bzw. diese an den Raum anpassen

Das relativ kleine Gehäuse ist keine optimale Umgebung für zwei 245er Tieftöner mit sehr leichten Membranen. Daher hatte K&H zum einen den Bassbereich bei 40Hz in der aktiven Weiche angehoben und zum anderen die Rückwand als passive Membran gestaltet.

Als Ergebnis erhält man einen sehr energischen Bass, der, für diese Größe, auch schnell und konturiert daherkommt.

Der Mittelton erfüllt, v. a. im nach hinten schalloffenen Gehäuse, die Erwartungen mit einem neutralen und schnellen Auftritt.

Für den Hochtonbereich hatte K&H mehrere aufwändige Equalizer vorgesehen. Amp-Master hält es aber für angebracht, den originalen Hochtöner mitsamt seiner Schwächen durch geeignete, aktuelle Chassis zu ersetzen und somit auf die korrigierende Elektronik zu verzichten.

Insgesamt lohnt es sich, in diese Schallwandler zu investieren. Abgesehen von einem historischen Wert können auch heute noch Konzept, Anpassungsspielraum, Verarbeitung und nicht zuletzt die Klangqualität überzeugen.